Zugspitze Extremberglauf

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mathias
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Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von mathias » 14. Jul 2008, 13:10

Sicher habt Ihr von den gestrigen Vorfällen bei diesem Lauf gehört. Habe das eben mit meiner Freundin diskutiert und die Atmosphäre währenddessen und nachher war, sagen wir mal, angespannt. Gefährlicher Unfug oder jeder ist für sich selbst verantwortlich?
Was sagt ihr dazu? Ich tendier, auch wenns vielleicht hart klingt, zu letzterem...
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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von Jobi » 14. Jul 2008, 13:34

Wir sind am Freitag, nach einer Nacht in der Biwakschachtel zwischen Zugspitze und Alpspitze, abgestiegen - angesichts der aufziehenden Wetterverhältnisse, auch wegen meines zweifelhaften Gesundheitszustandes.

Es handelt sich nicht einfach um eine private Tour, sondern um eine geplante und durchgeführte Großveranstaltung. Da liegt die Verantwortung beim Veranstalter - und das aus gutem Grund: In der Menge kann ein Mensch nicht mehr frei für sich entscheiden. Deshalb muss das Risikomanagement zentral unterstützt werden.
Auch wenn es bitter ist, gerade im vorliegenden Unglück bleibt der Veranstalter bei der Verteilung der Verantwortung nicht ganz außen vor.

Aber bevor sich diese Frage stellt, bleibt, den Hinterbliebenen das Beileid auszusprechen und den "Überlebenden" alle Kraft zuzusprechen, die zur Genesung notwendig ist.

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Thomas L
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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von Thomas L » 14. Jul 2008, 13:37

Das jeda seyba wissen muaß, ob a in da kurzn Hosn und im dünna Hemad beim schlechtn Wedda auf d'Zugspitz rennd is wohl klar. I verstäh irgendwie ned ganz, was in de Kepf da so vor sich gehd, wenns in da Friah an Weddabericht oschaun (Gwitta, Schnää, Sturm, ..) und dann trotzdem loslauffan. Des do drom is doch koa Freizeitpark wo ma olle 100 Meta song ko, "So jetz is ma z'bläd, i mog nimma"!
Irgendwia is des a bissal respektlos da Natur gegenüber. Es is immer schlimm wenn wer stirbt und i sog gwies ned das de zwoa des verdient hättn. Oba wundern duads mi ned, daß so ein Grampf moi schiafgehd.
Wos i a ned verstäh is, das des Ganze bei dene Aussichten stattgfundn hod. Ein Schmarrn sondersgleichen, bei Gwitterprognose, Bergläufe zum veranstalten.

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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von Suki » 14. Jul 2008, 13:39

Ich glaube, dass lässt sich so pauschal nicht sagen. Es ist schon jeder für sich selber verantwortlich, der Wetterbericht für diesen Tag sagte nun mal aber genau dies voraus, was nun auch geschehen ist. Ich glaube von einem "plötzlichen Wetterumschwung" kann hier nicht geredet werden.

Ich bin selber schon mal um meinen Pulli und meine Jacke froh gewesen, wo ich von Hammersbach auf die Zugspitze hoch bin. Es ist - vor allem bei dieser Vorhersage_ sehr leichtsinnig, nur mit T-Shirt und Radlerhose aufzubrechen. Naja, der Mensch als Herdentier.
Andrerseits hat der Veranstalter auch gewisse Verpflichtungen. Wie gesagt, der Wetterbericht war da wirklich sehr eindeutig.

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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von craze » 14. Jul 2008, 13:59

Bin zwar eigentlich der Meinung, dass man wissen sollte, was auf einen zukommt, wenn man so einen Lauf startet, aber ich denke der Veranstalter hat da eine gewisse Informations- und Sorgfaltspflicht.

Eine Aufklärung der Teilnehmer über die möglichen Wetterszenarien und Gefahren darf nicht nur auf der Webseite, sondern muss nochmal direkt vor dem Rennen stattfinden. Zudem kann man vom Veranstalter verlangen, dass er den Teilnehmern vorschreibt, dass sie warme Kleidung mitnehmen müssen. Bei Wüstenläufen darf man ohne passende Notfallausrüstung auch nicht teilnehmen.

Zudem muss dem Veranstalter klar sein,dass Menschen aus dem Flachland oft nicht wissen, dass sie im Sommer in den Bergen mit Schneefall rechnen müssen.
ɹnʇɐuƃıS

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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von mangiari » 14. Jul 2008, 14:08

Wie war denn der ganze Event angesetzt? Als eine reine Laufdisziplin, so wie ein Marathon nur eben bergauf? Dann war es doch ein totaler Blödsinn das ganze bei dem Wetter überhaupt zu starten. Sollte es dagegen ein Abenteuerlauf im Sinne einer Expedition sein, kann man wohl darüber diskutieren ob es Sinn macht Expeditionisten in ein Gewitter auf den Berg zu schicken. Tragisch in jedem Fall.
Aber manchmal, gerade als Unerfahrener denkt man einfach nicht an sowas, habe meine erste Alpintour auch im Oktober nachts bei Nieselregen im T-Shirt beendet. Unten in Garmisch war's doch so affig heiß an dem Tag... :oops:
Ich habe daraus gelernt, aber das hätte damals durchaus auch schlimmer enden können.
Ich will wieder zurück!

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Thomas L
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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von Thomas L » 14. Jul 2008, 14:13

mangiari hat geschrieben:Wie war denn der ganze Event angesetzt?
http://www.getgoing.de/frameset.htm

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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von Bobby_DD » 14. Jul 2008, 14:13

mangiari hat geschrieben:Wie war denn der ganze Event angesetzt?
http://www.getgoing.de/frameset.htm

auf der Seite findest du die offiziellen Infos zum Lauf.

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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von zodada » 14. Jul 2008, 14:18

bei skitourenrennen muss auch eine notfallausrüstung am mann sein. stellt sich die frage warum das bei bergläufen nicht generell auch pflicht ist?
laut berichten wurde auch vor dem start auf die wettersituation hingewiesen. nur ist jeder für sich da oben selber verantwortlich und sollte wissen was er tut, auch flachländer. ansonsten sollten sie von diesen sachen fernbleiben. thomas_L trifft den nagel auf den kopf.
jeder der extremsport betreiben will (und dieses wort fällt heute häufig zum thema berglauf), muss mit extremsituationen rechnen und sie auch so gut es geht beherrschen können.

mein beileid an die hinterbliebenen, allen verletzten guten besserung und dank an die rettungkräfte die zum teil wiedermal ihre freizeit zur verfügung gestellt haben bzw. sich in gefahr gebracht haben
hmlaa

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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von Topobär » 14. Jul 2008, 14:29

Wenn man die Ausschreibung liest, wird da sehr viel von Bergrettung und medizinischer Betreuung geschrieben. Auch ansonsten liest sich das Ganze eher wie ein besonders anstrengender Langstreckenlauf, denn wie ein alpines Unternehmen. Da verwundert es mich dann auch nicht, dass sich die Teilnehmer nicht um die alpinen Gefahren kümmern.
Zuletzt geändert von Topobär am 14. Jul 2008, 14:30, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von mangiari » 14. Jul 2008, 14:30

Na auf der Website jedenfalls klingt das nicht nach alpinem Gelände. Schwach auch, dass sie trotz Todesopfer es nicht schaffen die Seite zu aktuallisieren und wenigstens ihr Bedauern auszudrücken. Naja, wahrscheinlich haben die alle Hände voll zu tun und an die Website hat keiner gedacht...
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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von zodada » 14. Jul 2008, 14:42

naja aber wenn ich mich zum zugspitzlauf anmelde, ich mir das streckenprofil + die bilder anschaue und mich so noch informiere wird eigentlich jedem klar, dass das kein vergnügungslauf im stadtpark wird. leute die da mitlaufen sollten soviel verantwortung aber auch übernehmen, egal wo sie herkommen. klar als gebirgler tu ich mich da etwas leichter...
nur leider gibt jeder mehr verantwortung ab und ehe wir uns versehen haben wir amerikanische verhältnisse!

also ich habe nix gefunden auf der inet seite was sicherheit der bergwacht und rettungsdienst vorgaukelt.
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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von Topobär » 14. Jul 2008, 17:00


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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von Cosimo » 14. Jul 2008, 17:36

Aus dem Artikel wird deutlich - falls es das vorher nicht war -, dass dieser Berglauf eben nichtsowas war wie eine Führung durch den Botanischen Garten oder eine vom Fremdenverkehrsamt veranstaltete Seniorenwanderung. Die Veranstaltung hieß nicht ohne Grund "Extremberglauf". Man darf davon ausgehen, dass die Teilnehmer dafür ein Weilchen trainiert hatten und das auch nicht zum ersten Mal machten. M.a.W.: Man darf davon ausgehen, dass sie hätten wissen müssen, was sie taten.
:wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink: :wink:
(Bitte ausschneiden und nach Bedarf im Text verteilen.)
Excelsior!

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Re: Zugspitze Extremberglauf

Beitrag von mangiari » 14. Jul 2008, 17:41

Zumal wohl auch Streckenposten da waren, die erschöpfte Teilnehmer auffordern mussten aufzuhören. Im Endeffekt klang es für mich in dem Bericht jetzt schon eher nach einer selbstverschuldeten Tragödie, verursacht durch Weiterlaufen bis zur völligen Erschöpfung.
Ich hatte zunächst an ein Szenraio gedacht wo die Läufer gar nicht mehr laufen sondern eher im Nebel, Sturm und Schnee nicht mehr weiterkommen und dort der Unterkühlung preisgegeben sind.

Wie häufig sind denn so ganz grob Todesfälle bei so extrem Ausdauer-Geschichten? Man hört ja öfters mal, dass Leute sich beim "Marathon zu Tode laufen", oder zumindest knapp davor sind.
Ich will wieder zurück!

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