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Einmaleins des Aufstiegs? - Höhenanpassungstraining…

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Einmaleins des Aufstiegs? - Höhenanpassungstraining…

Beitragvon Ronin » 4. Feb 2008, 23:52

Hallo AlpinsportlerInnen

Wie ihr ja wisst kann man in den Bergen (manchmal) Problemen mit der Luft bekommen- Mit der Höhe nimmt der Sauerstoffgehalt kontinuierlich ab, das spürt der Bergsteiger mit jedem Meter, denn die Schritte werden schwerer, es wird einem Schwindel und man bekommt Kopfschmerzen, im Extremfall folgen Ödeme in Hirn und Lunge. Unter Umständen kann also lebensbedrohlich werden.
Ab 2500 Höhenmetern heißt es also: dem Körper Zeit geben, sich an die dünnere Luft anzupassen, also sich ausreichend zu akklimatisieren.

Eine Freundin von mir hat schon bei einer Höhe von rund 2300 Meter etwas Probleme und ihr Traum ist erstmal die 3000 Marke zu erreichen (später natürlich noch höher, das aber langsam nach u nach…)

Und nun wüsste ich nur zu gerne wie ihr vorgeht…
Baut ihr alle 500 Höhenmeter ein Lager auf, um zu rasten und sich an die Höhe zu gewöhnen?
Oder wandert ihr immer wieder ein Stückchen höher, dann wieder runter und später wieder hoch (evtl. noch höher als vorher..) - So im Wechselspiel…?

Ich weiß das ist dem eignen Körper dafür genügend Zeit zu geben, ist individuell sehr unterschiedlich. Mich interessiert einfach eurer Höhenanpassungstraining… :-)
Ronin
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Re: Einmaleins des Aufstiegs? - Höhenanpassungstraining…

Beitragvon nightrider » 5. Feb 2008, 00:27

Ronin hat geschrieben:Eine Freundin von mir hat schon bei einer Höhe von rund 2300 Meter etwas Probleme und ihr Traum ist erstmal die 3000 Marke zu erreichen (später natürlich noch höher, das aber langsam nach u nach…)


Von welchen Problemen sprichst Du konkret?
Wie, wann und wo treten die Probleme bei was auf?

Ich schlafe im Skiurlaub auch schlechter und die Orte waren meist tiefer als 2.300m gelegen.

Ronin hat geschrieben:Und nun wüsste ich nur zu gerne wie ihr vorgeht…
Baut ihr alle 500 Höhenmeter ein Lager auf, um zu rasten und sich an die Höhe zu gewöhnen?
Oder wandert ihr immer wieder ein Stückchen höher, dann wieder runter und später wieder hoch (evtl. noch höher als vorher..) - So im Wechselspiel…?


Go high, sleep down.. oder so ähnlich heisst der Leitspruch. Beispiel: Gehe von 2.000 auf 3.000m und schlafe bei 2.700m.

Zwei reale Beispiele:

Kibo:
Tag 1: 1.000m
Tag 2: 1.500m
Tag 3: 1.000m
Tag 4: 1.800m
Tag 5: 3.000m
Tag 6: 4.000m
Tag 7: 4.000m (Peak 4.400m)
Tag 8: 4.000m
Tag 9: 4.800m (Peak 5.720m)
Tag 10: 3.000m
Tag 11: 1.000m
Tag 12: 150m

Breithorn:
Tag 1: 1.600m
Tag 2: 2.500m (sleep 1.600m)
Tag 3: 3.000m (sleep 1.600m)
Tag 4: 3.200m (sleep 1.600m)
Tag 5: 3.600m (sleep 1.600m)
Tag 6: 4.200m (sleep 1.600m)
Tag 7: 3.300m (sleep 1.600m)
Tag 8: 2.000m (sleep 1.600m)
Tag 9: 1.600m (sleep 1.600m)
Tag 10: 160m
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Beitragvon ich » 5. Feb 2008, 01:05

das schlafen dürfte ja bei einem 3000er nicht das problem darstellen...
meine persönliche meinung ist allerdings auch, wenn deine freundin bereits bei 2500m probleme mit der höhenanpassung hat, dass sie wohl nie wirklich "hoch hinaus kommen" wird...
wobei ich z.B., aber das ist halt wie gesagt sehr individuell, so zwischen 4000m und 5000m (schlafen) fast immer probleme habe auch wenn ich langsam mache, danach aber noch nie probleme bekommen habe: sprich übelste kopfschmerzen und kotzen auf 4500m und auf knapp 7000m geschlafen und dazwischen immer 1000 höhenmeter schritte, ist schon ne seltsame sache mit der höhenanpassung... hatte auch schon völlig akklimatiesiert ein lungenödem.
aber prinzipiell ist man bei 500m schritten (schlafen) wohl auf der sicheren seite. aber wie gesagt, es ist nicht die höhendistanz im aufstieg sondern der unterschied in der schlafhöhe, der den unterschied macht. und im expeditionsstil einen dreitausender anzugehen ist halt auch so eine sache...
das breithornbeispiel habe ich im übrigen nicht verstanden...
grüße,
der martin
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Beitragvon nightrider » 5. Feb 2008, 01:20

ich hat geschrieben:das breithornbeispiel habe ich im übrigen nicht verstanden...


:confused:

10 Tage Urlaub in Zermatt (1.600m). Jeden Tag gewandert (incl. Aufstiegshilfen) und dann am 6. Tag um 6 Uhr von 1.600 auf 4.200m und um 12 Uhr wieder runter auf 1.600m.

Breithorn:
Tag 1: 1.600m
Tag 2: 2.500m (sleep 1.600m)
Tag 3: 3.000m (sleep 1.600m)
Tag 4: 3.200m (sleep 1.600m)
Tag 5: 3.600m (sleep 1.600m)
Tag 6: 4.200m (sleep 1.600m)
Tag 7: 3.300m (sleep 1.600m)
Tag 8: 2.000m (sleep 1.600m)
Tag 9: 1.600m (sleep 1.600m)
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Beitragvon ich » 5. Feb 2008, 01:27

fand es nur etwas übertrieben, da es wohl ein akklimatisierungshatscher auf eine größere höhe auch getan hätte, dann wäre halt nach dem breithorn am sagen wir mal dritten tag noch was anderes drin gewesen und vor allem gäbe es noch ein zeitfenster für schlechtes wetter...
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Beitragvon nightrider » 5. Feb 2008, 01:37

ich hat geschrieben:fand es nur etwas übertrieben, da es wohl ein akklimatisierungshatscher auf eine größere höhe auch getan hätte, dann wäre halt nach dem breithorn am sagen wir mal dritten tag noch was anderes drin gewesen und vor allem gäbe es noch ein zeitfenster für schlechtes wetter...


Das Breithorn war ein ungeplanter Mitläufer! Daher kommt es Dir auch übertrieben vor. Wir waren der Erholung wegen in Zermatt... :lol:
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Beitragvon banana-joe » 5. Feb 2008, 01:48

am ersten oder 2. tag im gebirge bis 3700m brauch ich keine akklimatisation. wenn ich gleich auf 4000 geh dann wird mir schon mal schlecht. und erst für mehr als 4000, z.b. dom/mont blanc muss ich vorher akklimatisierungstouren machen damit ich den gipfel noch erreich. und höher war ich noch net. is aber bei jedem anders.

vielleicht liegt das bei deiner freundin auch an der kondition. ich kenn auch so eine die meint es is immer die höhe, dass sie so schnauft.

@nightrider: musstet euch wohl von tag 7 bis 10 wieder langsam an die dicke luft im flachland akklimatisieren :D
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Beitragvon nightrider » 5. Feb 2008, 01:56

banana-joe hat geschrieben:vielleicht liegt das bei deiner freundin auch an der kondition. ich kenn auch so eine die meint es is immer die höhe, dass sie so schnauft.


Hi! :D

Schnaufen ungleich Probleme!
Oswald Oelz musste bei seinem siebten seven summit auch bei 4.000m abbrechen, obwohl er schon auf 8.848m war...

banana-joe hat geschrieben:@nightrider: musstet euch wohl von tag 7 bis 10 wieder langsam an die dicke luft im flachland akklimatisieren :D


:wink:
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Beitragvon Schwarzbart » 5. Feb 2008, 10:08

1.Tag Abfahrt in Landsberg
2.Tag Zeltaufbau auf dem Camping in Chamonix
3.Tag Mit der Zahnradbahn auf die Tet Rousee ( oder wie das Ding heißt) und Aufstieg zur Gouder Hütte.
4.Tag Montblanc und Abstieg bis ins Tal.
Am Abend dann beste Aklimatisation in den Kneipen von Chamonix.
:D
..hei mi leckst am Arsch..
(Oberreintalgruß)

viel scheißer find ich's .....wenn...
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Beitragvon Ratriumph » 5. Feb 2008, 10:25

Schwarzbart hat geschrieben:Am Abend dann beste Aklimatisation in den Kneipen von Chamonix.
:D


Hei leckst mi am Arsch. Ein sinnvoller Beitrag.
Jetzt bist du mir endlich auch sympathisch =D>
Of all the things I've lost,
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Beitragvon Topobär » 5. Feb 2008, 11:06

Meine ersten Erfahrungen mit höhem über 5.000m habe ich am Kilimanscharo gemacht. Die übliche Tour, d.h. 6 Tage insgesamt für Auf- und Abstieg. Jeden Tag geht's zum schlafen 1.000m höher. Diese Schritte waren bei mir eindeutig zu groß. Ich bin auf dem letzten Loch pfeifend oben angekommen, hatte tierische Kopfschmerzen und Übelkeit. Vom Abstieg habe ich teilweise Erinnerungslücken.

Diese Erfahrungen habe ich, bei meiner Annapurna-Umrundung berücksichtigt und dort die Etappen so eingeteilt, dass wir ab 3.000m pro Tag nur noch 300 Höhenmeter aufgestiegen sind. Das bedeutete zwar teilweise recht kurze Tagesetappen, dafür war ich aber auf dem Thorong La in 5.500m Höhe topfit und völlig beschwerdefrei.
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Beitragvon Hooki » 5. Feb 2008, 13:31

Mal ein Tipp am Rande.
Wer gesund ist sollte unter 2500m keine Probleme bekommen und mit keuchen auch ohne Akklimatisation bis 3500m aufsteigen können.
Das liegt daran das ein gesunder Mensch bis 2000m auch ohne Akklimatisation volle Sauerstoffsättigung des Blutes erreicht (zumindest in Ruhe).

Dein Freundin ist entweder nicht fitt (das kann doch jeder für sich ehrlich einschätzen), oder ein Sonderfall.
Falls sie fitt ist würde ich zu einem Arztbesuch raten. Es gibt Herzfehler (z.B. kleines Loch in der Herzscheidewand) die sich auf Meereshöhe nicht bemerkbar machen und auch harmlos sind, sich aber in der Höhe sofort bemerkbar machen (ungesättigtes Blut "schwappt" zurück bevor es die Lunge durchlaufen hat). Wenn dann richtig grosse Höhen aufgesucht werden kann das auch richtig kritisch werden, da sich Blutgerinsel normalerweise in den Beinen bilden und dann erst durch die Lunge müssen bevor sie ins Gehirn geraten können. In der Lunge bleiben solche Gerinsel in den feinen Adern hängen und richten nur wenig Schaden an.
"Schwappt" aber so ein Gerinsel mal über kommt es direkt ins Gehirn und kann zu einem Schlaganfall führen.

Aber keine Panik jetzt, ist operabel und in geringen Höhen harmlos.

Tschüß
Hooki
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Beitragvon Schwarzbart » 5. Feb 2008, 14:28

..hei mi leckst am Arsch..
(Oberreintalgruß)

viel scheißer find ich's .....wenn...
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Beitragvon Spenglerextrem » 6. Feb 2008, 16:14

Das Thema muß man in "aus dem letzten Loch pfeifen" und Höhenhirn- bzw. Lungenödem trennen.

Das Auftretten von Höhenlugen-/Hirnödem setzt eine Expositionszeit von 24 h voraus.

Schwarzbarts Methode kann somit das Ödem verhindern. In wieweit er aus dem letzten Löch gepfiffen hat muß er selbst erklären.

Ich habs wie folgt gemacht:

1. Tag Galapagos 0 m NN
2. Tag Quito 2700 m NN
3. Tag Nachmittags auf Hütte 4800 m NN
4. Tag Nachts auf Cotopaxi 5800 m NN, Nachmittags wieder in Quito

Im Aufstieg schon arg geschnauft, aber kein Ödem bekommen.

Mit dieser Methode sind für halbwegs schnelle Bergsteiger wohl alle Gipfel der Alpen zu erreichen.
Und wer auf der Capanna Margherit übernachtet ist selber schuld ! :roll:

Spenglerextrem

p.s. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie die Packungsbeilage und fragen sie ihren Arzt oder Apotheker.
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