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J.C. LAFAILLE am Makalu vermisst

Stellt Fragen zu Expeditionen

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Beitragvon jensib » 2. Feb 2006, 16:16

OT
Achtung!
In so einem Forum werden Meinungen wiedergegeben, keine Wahrheiten- weils die nicht gibt.

Auch wenn J.C.L und seine Familie gewusst haben auf was er sich einlässt, tuts mir vor allem für seine Kinder leid.
Die Frage ob das alles notwendig ist, wird er sich aber sicher auch gestellt haben.
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Beitragvon Taliban » 2. Feb 2006, 16:18

Die Feststellung, daß die Diskussion zu diesem Thema in diesem Rahmen völlig überflüssig ist, hat eine erstaunliche Diskussionswut ausgelöst.
Taliban
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Beitragvon Waldmeister » 2. Feb 2006, 16:20

Helge hat geschrieben:
Waldmeister hat geschrieben:Ansonsten, wenn er es nicht aus Passion macht, dann ist es fast noch krasser, da er es dann des lieben Kommerz wegen macht!


Klar. Es ist ja auch absolut verantwortungslos wenn Familienväter aus finanzielle Gründen Berufe ausüben, die ihnen nicht erlauben, genügend Zeit mit ihrer Familie zu verbringen weil sie dauernd herumreisen und Überstunden machen, die zu Verfettung und Herzinfarkt führen, die wegen ihrer Tristheit in Alkoholismus und häusliche Gewalt treiben und die die Menschen von sich selbst entfremden und in den Wahnsinn treiben.
.

Heute auf dem Polemiktrip! :wink:
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Beitragvon DirkiLD » 2. Feb 2006, 16:20

Taliban hat geschrieben:Die Feststellung, daß die Diskussion zu diesem Thema in diesem Rahmen völlig überflüssig ist, hat eine erstaunliche Diskussionswut ausgelöst.


Über die sich ein Beobachter köstlich amüsieren kann!
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Beitragvon Waldmeister » 2. Feb 2006, 16:22

StefanHolz hat geschrieben:
Waldmeister hat geschrieben:Nur leider treffen Erwachsene ihre leider oft egoistischen Entscheidungen für die Kinder mit (außer sie sind schon erwachsen)! ...


Aha - da hör ich meine Tochter reden, wenn ihr mal wieder irgendwas nicht passt, was wir "Alten" entschieden haben. Wenn du mal so weit bist und selber Kinder hast, wirst du sehen, dass du Entscheidungen treffen musst, die aus Sicht deiner Kinder egoistisch und rücksichtslos sind.

Denke immer dran: Die erste Hälfte deines Lebens versauen dir deine Eltern, und die zweite Hälfte versauen dir deine Kinder ;-)

Gruß Stefan

Wer liest ist im Vorteil. Ich habe selber Kinder und treffe auch Entscheidungen auch fuer meine Kinder, aber ich hoffe diese sind zumindest objektiv gesehen nicht so egoistisch!
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Beitragvon Helge » 2. Feb 2006, 16:36

Waldmeister hat geschrieben:
Helge hat geschrieben:Es ist ja auch absolut verantwortungslos wenn Familienväter aus finanzielle Gründen Berufe ausüben, die ihnen nicht erlauben, genügend Zeit mit ihrer Familie zu verbringen weil sie dauernd herumreisen und Überstunden machen, die zu Verfettung und Herzinfarkt führen, die wegen ihrer Tristheit in Alkoholismus und häusliche Gewalt treiben und die die Menschen von sich selbst entfremden und in den Wahnsinn treiben.

Heute auf dem Polemiktrip! :wink:


Nein, eigentlich war es nicht polemisch gemeint :-k
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Beitragvon Waldmeister » 2. Feb 2006, 16:39

Helge hat geschrieben:
Waldmeister hat geschrieben:
Helge hat geschrieben:Es ist ja auch absolut verantwortungslos wenn Familienväter aus finanzielle Gründen Berufe ausüben, die ihnen nicht erlauben, genügend Zeit mit ihrer Familie zu verbringen weil sie dauernd herumreisen und Überstunden machen, die zu Verfettung und Herzinfarkt führen, die wegen ihrer Tristheit in Alkoholismus und häusliche Gewalt treiben und die die Menschen von sich selbst entfremden und in den Wahnsinn treiben.

Heute auf dem Polemiktrip! :wink:


Nein, eigentlich war es nicht polemisch gemeint :-k

Wirkt aber so! :^o
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Beitragvon frankie » 2. Feb 2006, 17:42

orome hat geschrieben:[...]

ach weist du, ich will es mal anders ausdrücken:
eigentlich bewundere ich leute die extreme dinge tun und dabei auch extrem das leben spüren. leider bin ich selbst viel zu wenig mutig dazu, aber der wunsch und der traum sind vorhanden.
übrigens ist mein vater beim canyoning gestorben. ich war deswegen nie sauer auf ihn, im gegenteil, ich habe ihn bewundert.
Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg
in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige
was wcthiig ist, ist daß der estre und der leztte Bstabchue an der
ritihcegn Pstoiion snid.
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Beitragvon wollfiech » 2. Feb 2006, 17:56

Hat nicht jeder das Recht beim Versuch einen Traum zu erfüllen zu Sterben? Ich denke schon, besser als im Alterheim verfault!
Klar wer Familie hat sollte schon dafür sorgen das die dann auch versorgt ist oder noch besser " Vernünftig" sein und Zuhause bleiben.
Aber wer ist schon Vernünftig der die Idee hat im winter einen schweren Berg zu machen. Das Risiko war Bekannt und es ging schief.
Ich bin mir sicher der Mann hat das gewust und einkalkuliert.
Ihm gebührt mein Respekt!!!
mfg wolfi
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Beitragvon Cosimo » 2. Feb 2006, 18:06

frankie hat geschrieben:übrigens ist mein vater beim canyoning gestorben. ich war deswegen nie sauer auf ihn, im gegenteil, ich habe ihn bewundert.

Ja, vielleicht fokussieren wir die ganze Zeit auf die falschen Verwandten. Dass Kinder ihre Eltern irgendwann verlieren - früher oder später -, ist der natürliche Lauf der Dinge. Es ist nicht schön, und es tut den Betroffenen sicherlich weh. Aber die menschliche Psyche ist dazu geschaffen, das zu verkraften.
Seit ich selbst eine Tochter habe, ist mir erst ganz bewusst und nachvollziehbar geworden, wieviel schrecklicher es sein muss, ein Kind zu verlieren. Lafailles Eltern leiden womöglich (aber wer hier weiß das?) mehr als seine Kinder.

Im Übrigen: Dass ich nie Verständnis dafür gehabt habe, dass Leute ohne Not ihr Leben riskieren, habe ich hier im Forum ja schon gelegentlich gesagt. Das gilt übrigens, Tuan, unabhängig davon, ob die Leute erfolgreich sind oder nicht. Aber wer von uns durch Lafailles vermutlichen Tod nicht unmittelbar persönlich betroffen wird, hat wohl kein Recht, ihm dafür Vorwürfe zu machen.
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Beitragvon King_Creole » 2. Feb 2006, 18:21

orome hat geschrieben:
frankie hat geschrieben:wenn ich lust verspüre mit 300 sachen motorad zu fahren, ein free solo an der leistungsgrenze zu klettern, oder sonstwas total unvernünftiges zu tun, dann mach ich das auch. bis jetzt kam das noch nicht sooo krass vor, aber darüber dürft IHR euch sicher kein urteil bilden.

willst DU versuchen, mich an einer urteilsbildung zu hindern?!!


Was mich daran stört ist (mal wieder) die Pauschalität der Aussage. Es kann relativ sicher sein, Sonntags morgens um 7:00 auf dem Motorrad mit 295 km/h über eine vollkommen leere schnurgerade Autobahn zu rasen, während es sich bei dem bekannten Drängler-und-Hektiker-Typus, der im dichten Freitagsnachmittags-Berufsverkehr, im dicken Benz oder BMW sitzend, mit *NUR* 160km/h und 10m Abstand, mit gesetztem linken Blinker seinen Vordermann bedrängt, mit Sicherheit um einen gefährlichen Verkehrsrowdy handelt, der schleunigst aus dem Verkehr gezogen gehört.

Es kommt immer auf die näheren Umstände an. Der ursprüngliche Gehalt der Aussage war "Alle Motorradfahrer sind hirnlose Raser und Idioten". Als Motorradfahrer kann ich solche Aussagen nicht mehr hören, und wehre mich gegen eine solche Undifferenziertheit. Diese hat meiner Meinung nach dieselbe Qualität wie: "Diese Freeclimber sind doch alle gefahrensuchende Adrenalinjunkies mit unterschwelliger Todessehnsucht", was man sich als Kletterer ja auch hin und wieder mal anhören muß. Wer selber klettert, entlarvt die zweite Aussage sofort als unangebrachtes pauschales Vorurteil. Wer selber Motorrad fährt, die erste!

Aber da es um Motorradfahren geht, ist das wohl allmählich off-topic. Nur noch soviel: Bei jeder (sportlichen) Aktivität, bei der man seinen Hintern aus dem bequemen Sessel erhebt, wählt man sein Risiko selber. Beim Motorradfahren, Minigolfspielen, beim Skitourengehen/Variantenfahren, Klettern und Bergsteigen. Ich denke daß Außenstehende nicht das Recht haben, einen verunglückten Sportler moralisch zu verurteilen, nur weil dessen Risikowahl nicht so defensiv war, wie üblicherweise die eigene.

Zum traurigen Anlaß des Threads: Ich hoffe daß sich die schlimmen Befürchtungen nicht bewahrheiten, und daß Lafaille doch noch gefunden wird. Man darf die Hoffnung nicht zu früh aufgeben.

Gruß
Peter
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Beitragvon mangiari » 2. Feb 2006, 18:36

Der weiter unten zitierte Bericht (auf Französisch) hörte sich leider doch sehr eindeutig an.
Ich will wieder zurück!
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Beitragvon Kenia » 2. Feb 2006, 19:08

King_Creole hat geschrieben: ..im dicken Benz oder BMW sitzend, mit *NUR* 160km/h und 10m Abstand, mit gesetztem linken Blinker seinen Vordermann bedrängt, mit Sicherheit um einen gefährlichen Verkehrsrowdy handelt, der schleunigst aus dem Verkehr gezogen gehört.


....und nicht nur aus dem Straßenverkehr!
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Beitragvon Frank61 » 2. Feb 2006, 19:13

frankie hat geschrieben:eigentlich bewundere ich leute die extreme dinge tun und dabei auch extrem das leben spüren.


Auch wenn der Anlaß (wahrscheinlich) traurig ist-ich verstehe ihn !
Dabei ist es schwer,es rational zu begründen-ich habe die vielen Meinungen hier still vor mich hin gelesen und erst bei Frankies Aussage hat es bei mir "Klick" gemacht und mir fiel etwas ein,was ich schon lange vergessen glaubte;
als ca. 10 jähriger "Rotzlöffel" kam es mir bei meiner Oma in den Sinn,den-hinterm Haus im Wald liegenden,ca. 20m hohen Schieferfelsen "winterzubegehen"...Ich hatte gerade mein erstes Bergsteigerbuch in den Händen(H.Buhl "8000 drunter und drüber"),es war saukalt,ca.50cm Schnee(ja,im Erzgebirge gibts so etwas noch :wink: ) und "ich wollte es wissen"...
Ich habe mir in der Mitte vor Angst bald in die Hosen gesch...,frierend,klatschnass-von oben bis unten -und dann stand ich dann oben und war dermaßen stolz ! Ein unbeschreibliches Glücksgefühl,es läßt sich schwer beschreiben,ich habs danach auch niemandem erzählt,ich wollte ja keinem was "beweisen"(außer vielleicht mir selbst)-aber ich kann verstehen,daß es Menschen gibt,die für dieses Glücksgefühl alles vergessen und -ach so-unvernünftig werden !
Mag auch sein,mich verstehen viele jetzt nicht-aber es geht nicht ums Geld,Publicity oder was weiß ich-es geht darum,etwas zu tun,was noch keiner getan hat-der Erste zu sein,Neuland zu betreten.Der Lohn dafür ist ein Gefühl-was es woanders kaum gibt-ich kann verstehen wenn Einer dafür zum "Junkie" wird.
It´s better to be hated for who you are,than to be loved for who you´re not.("Help Somebody"-van Zants)
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Beitragvon Lithophil » 2. Feb 2006, 21:08

Viele von uns haben doch sicher schon die Erfahrung gemacht, dass sich bestimmte Neigungen und Bedürfnisse im eigenen Leben einfach nicht unterdrücken lassen. Letztendlich kann man das eigene Wesen nicht wegsperren. Die Geschichte des Bergsteigens ist gepflastert mit solchen Schicksalen. Gestalten wie J.C.L. haben wohl einen außergewöhnlich ausgeprägten Drang nach dem, was man bei diesen extremen Taten so empfindet. Dafür habe ich vollstes Verständnis.
Seine Familie weiß das nicht erst seit gestern, und trotzdem zeugen Berichte bei Touren zurückbleibender Ehefrauen von ungeheuren Ängsten vor dem Eventuellen. Wenn's dann passiert sind sie immerhin etwas vorbereitet, was den Verlust und Schmerz natürlich nicht schmälert.
Ich hab erlebt, dass ein Familienvater (44) nach jahrelanger Schufterei, direkt vor Antritt der erkämpften sicheren Position, bei einer Tagung einfach so umgefallen ist: tot. Die Familie steht ganz plötzlich ohne jede Absicherung mit 3 schulpflichtigen Kindern buchstäblich vor dem Nichts. Ich könnte mir denken, dass das viel härter ist.
Ich finde es schön, dass frankie stolz auf seine Vater ist - J.C.L.s Kinder werden es hoffentlich auch sein.
Zum Thema wann die Grenze erreicht ist: ein guter Freund von mir hat mit seine Freunden die klassischen "Kicks" der Bergwelt weltweit durchexerziert. Bergsteigen und Klettern, als das ausgereizt war, Canyoning, danach kam das Gleitschirmfliegen. Seine Freunde haben versucht ihn mitzuschleifen, er hat dann aber tatsächlich zugunsten seiner Familie widerstanden. Das nötigt mir auch Respekt ab.
Also, ich ziehe den Hut vor dem Mut der Protagonisten und ebenso vor der Toleranz und Liebe der mitbetroffenen Partner.
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